Sieben Gründe, Glyphosat zu verbieten

Glyphosat ist eine Chemikalie, die in Pestiziden wie Monsantos Roundup verwendet wird und inzwischen die meist verwendete Chemikalie aller Zeiten ist. Das Herbizid wird nicht nur intensiv angewendet, sondern ist auch höchst umstritten. Die EU-Zulassung des Herbizids läuft spätestens am 31 Dezember 2017 aus, die EU-Kommission hätte also die Gelegenheit, ein Verbot auszusprechen.

Leider will sie wohl das Gegenteil tun, und hat vorgeschlagen, die Zulassung zu verlängern. Angesichts dieser kurzen Frist ist es entscheidend, dass die Argumente gegen eine Verlängerung der Zulassung so schnell wie möglich vorgebracht werden.

Deshalb stellen wir hier kurz und knapp unsere sieben Gründe, warum Glyphosat in der EU verboten werden sollte, vor:

GRUND EINS: GLYPHOSAT KANN IHRER GESUNDHEIT ERNSTHAFT SCHADEN

Derzeit wird heftig darüber diskutiert, ob Glyphosat krebserregend ist.

Die renommierte Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation ist der Ansicht, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“ sei. Auf der anderen Seite hat am 15ten März 2017 ein Gutachten der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) Glyphosat als nicht krebserregend eingestuft. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte vorher schon Ähnliches behauptet. Seit den „Monsanto Papers“ besteht jedoch Sorge, dass diese Studien sich an Ergebnissen die von der Industrie selbst produziert worden sind, orientierten.

Glyphosat-basierte Zusammensetzungen werden nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch in öffentlichen und privaten Gärten verwendet, wodurch sowohl Landwirte als auch VerbraucherInnen Gefahren ausgesetzt werden.

Zudem zeigen einige Studien, dass Herbizide, die Glyphosat enthalten, als endokrine Disruptoren wirken – also als Substanzen, die unsere Hormone durcheinanderbringen und die unter anderem die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können.

Die EU sollte Glyphosat verbieten, solange nicht bewiesen ist, dass es sicher ist.

GRUND ZWEI: ES STELLT AUCH EINE GEFAHR FÜR TIERE UND PFLANZEN DAR

Nicht nur die menschliche Gesundheit ist durch Glyphosat in Gefahr. Die EFSA hat hohe langfristige Risiken für pflanzenfressende Säugetiere (z.B. Nutztiere wie Kühe und Schafe) sowie wildlebende Tierarten (z.B. Vögel und Maulwürfe) festgestellt. Darüber hinaus hat das Deutsche Umweltbundesamt erhebliche negative Auswirkungen von Pestiziden im Allgemeinen und von Glyphosat im Speziellen auf die Artenvielfalt festgestellt. Glyphosat tötet nicht nur Unkraut, sondern auch nützliche Beikräuter, die eine wichtige Nahrungsgrundlage für Insekten und andere wildlebende Tiere sind.

Eine Chemikalie, die so hohe Risiken für Tiere und Artenvielfalt birgt, sollte keine weitere Zulassung erhalten.

GRUND DREI: GENTECHNIK UND GLYPHOSAT SIND ZWEI SEITEN DERSELBEN MEDAILLE

Glyphosat und Gentechnik können als zwei Seiten derselben Medaille gesehen werden.

Von den 61 in der EU zum Import zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) sind mehr als die Hälfte glyphosat-resistente Pflanzen. Sie wurden dazu entwickelt, mit genau diesem Herbizid eingesetzt zu werden. Glyphosat und Gentechnik sind Instrumente für eine intensive Form der Landwirtschaft, die Umwelt und Gesundheit schädigt, und Bäuerinnen und Bauern von der Chemieindustrie abhängig macht (siehe auch Grund 4).

Viele Fälle von Krebs und körperlichen Missbildungen wurden bei Menschen und Tieren in Südamerika gemeldet, wo auf ausgedehnten Landstrichen glyphosat-tolerantes Gensoja angebaut wird, um es als Futtermittel nach Europa zu exportieren.

Durch eine Ablehnung von Glyphosat können wir uns für die Gesundheit der Menschen in Europa und weltweit einsetzen und die ländliche Entwicklung auf Basis einer umweltfreundlichen Landwirtschaft unterstützen.

GRUND VIER: GLYPHOSAT IST NUR EINE ZUTAT IN EINEM GIFT-COCKTAIL

Glyphosat allein richtet schon Schäden an. Aber Herbizide wie Roundup enthalten zusätzlich einen Cocktail an Chemikalien, der noch giftiger sein kann als Glyphosat allein, mit noch mehr Risiken für Landwirte und die Öffentlichkeit.

In Kanada und den USA haben sich aufgrund von übermäßigem Gebrauch von Roundup in Kombination mit glyphosat-resistenten genmanipulierten Pflanzen bereits glyphosat-resistente „Super-Unkräuter“ ausgebreitet. Um diese „Super-Unkräuter“ aufzuhalten, wurden noch mehr herbizid-resistente genetisch veränderte Pflanzen zugelassen. Sie sind gegen mehrere Herbizide resistent, darunter noch gefährlichere und umweltschädlichere als Glyphosat.

Die Genehmigung für den Einsatz von Glyphosat birgt eine ganze Reihe von Risiken, die durch ein Verbot vermieden werden können.

GRUND FÜNF: LÜCKEN IN DEN WISSENSCHAFTLICHEN DATEN

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat kritisch angemerkt, dass acht von vierundzwanzig Antragstellern, inklusive Monsanto, toxikologische Untersuchungen vorgelegt hatten, die gar nicht die Wirkung der Produkte untersuchten, die sie verkaufen möchten. Dadurch war es nicht möglich, festzustellen, ob die fraglichen glyphosat-basierten Pestizide keine schädlichen Auswirkungen auf die menschliche oder tierische Gesundheit oder das Grundwasser oder andere Umweltfaktoren haben. Es ist höchst besorgniserregend, dass ein Drittel der Antragsteller toxikologisch irrelevante Daten vorgelegt haben, um ihre Produkte zu verteidigen. Der EFSA-Bericht hat zusätzliche 22 Datenlücken in den Unterlagen der Antragsteller gefunden.

Angesichts der bekannten und möglichen Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier sollten wir zuerst sicherstellen, dass wir alle nötigen Unterlagen haben, bevor wir eine Substanz für eine derart breite Anwendung genehmigen.

GRUND SECHS: MANGEL AN TRANSPARENZ

Es gibt nicht nur Lücken in den Unterlagen, sondern zudem werden Schlüsselstudien aktiv vor der Öffentlichkeit versteckt. Entscheidende Schlussfolgerungen des EFSA-Berichtes basieren auf unveröffentlichten Studien, die allesamt von der Industrie selbst hervorgebracht wurden. Es ist inakzeptabel, dass den unveröffentlichten Studien mehr Bedeutung zugemessen wird als den öffentlich verfügbaren Informationen.

Der Verdacht von Interessenskonflikten mit der Industrie wurde durch interne Dokumente des Glyphosat-Herstellers Monsanto, die im Falle einer Gerichtsaffäre in den USA veröffentlich wurden, bekräftigt. Diesen Dokumenten zufolge hat Monsanto gezielt versucht, unabhängige Studien zu manipulieren.

Die Zulassung von Glyphosat darf nicht auf der Grundlage von geheimen, von der Industrie finanzierten Berichten von Leuten, die sich weigern, ihre Interessen öffentlich zu erklären, erfolgen.

GRUND SIEBEN: ES GIBT ALTERNATIVEN!

Die biologische Landwirtschaft zeigt: Glyphosat ist für produktiven Landbau nicht nötig. Die Landwirtschaft der Zukunft muss auf hohe Biodiversität und eine Vielfalt von angebauten Pflanzen setzen. Sie arbeitet mit und nicht gegen die Natur, und vermeidet die gewaltigen Monokulturen, damit Schädlinge sich nicht in Boden und Vegetation festsetzen können.

Der Gebrauch von Glyphosat hängt mit einer hochintensiven Landwirtschaft zusammen, die ganz einfach nicht nachhaltig ist. Es gibt sicherere, chemie-freie Alternativen zu Glyphosat bei denen es sich um ebenso effektive Methoden der Unkrautbekämpfung handelt.

Aus diesem und allen anderen angeführten Gründen muss eine erneute Zulassung von Glyphosat abgelehnt werden.

DIE NÄCHSTEN SCHRITTE

Die Zulassung für das Herbizid Glyphosat läuft spätestens Ende 2017 aus. Leider sieht es so aus, als ob die EU-Kommission diese Zulassung trotz widersprüchlicher Argumente verlängern wolle.

Wir, EU-Abgeordnete die sich mit dem Thema befassen, haben am 24.03.2017 einen Brief an Herrn Juncker geschrieben um ihn über die alarmierende Informationen die durch die „Monsanto Papers“ ans Licht gekommen sind zu informieren und ihn unter Anderem zu beten, die Zulassung für das Herbizid Glyphosat nicht zu erneuern.

Es braucht aber mehr als den Einsatz von einigen EU-Abgeordneten- nämlich eine klare Stellungnahme der Bürgerinnen und Bürger der EU. Um die Stimme der Bürginnen und Bürger hörbar zu machen gibt es seit dem 8ten Februar die Bürgerinitiative für das europaweite Verbot des toxischen Herbizids Glyphosat. Sie wurde bereits von mehr als 600.000 Personen unterschrieben. Mindestens 1 Million Unterschriften aus 7 oder mehr EU-Ländern werden gebraucht, um der Juncker-Kommission die Nachricht zu überbringen, dass die Bürgerinnen und Bürger kein Glyphosat auf ihren Feldern und Tellern wollen. In Luxemburg werden mindestens 4.500 Unterschriften benötigt.

Unterschreiben auch Sie die Europäische Bürgerinitiative für das Verbot von Glyphosat:

https://sign.stopglyphosate.org/

Merci!

 


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