Neonikotinoide: Risiken für Bienen bestätigt

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsagentur (EFSA) hat gestern bestätigt, dass die Mehrzahl der Neonikotinoid-haltigen Pestizide ein Risiko für Wild- und Honigbienen darstellt. Dies belegt ihre lang-erwartete wissenschaftliche Bewertung die gestern veröffentlicht wurde. Deshalb fordern wir die Mitgliedstaaten dazu auf, endlich für ein ganzheitliches, EU-weites Verbot dieser Pestizide zu stimmen.

Wer entscheidet?

Auf Grundlage der europäischen Pestizidgesetzgebung entscheiden Vertreter der Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit auf Vorschlag der EU-Kommission. Das Europaparlament hat heute noch einmal seine Position zu dieser Frage bestätigt und fordert ein komplettes Verbot dieser und anderer systemisch wirkenden Pestizide.

Was sind Neonikotinoide?

Neonikotinoide zählen zu den Nervengiften und zugleich systemischen Pestiziden, d.h. sie werden über die Wurzel aufgenommen und verteilen sich dann in der gesamten Pflanze. Mit dem Pollen oder über Guttationstropfen (Wassertropfen auf der Blattrückseite) können diese dann direkt von den Bienen aufgenommen werden. Die Stoffgruppe steht in dringendem Verdacht, das weltweit zu beobachtende Bienenvölkersterben mit auszulösen.

Sie werden in Pestiziden, speziell gegen Insekten, eingesetzt und auch gegen Flöhe, Zecken und Läuse verwendet. Als Insektizid werden sie gegen Blattläuse, Käfer, Larven von Maiswurzelbohrern usw. eingesetzt. Neonikotinoide existieren seit etwa 20 Jahren und wurden in den letzten zehn Jahren besonders intensiv genutzt und sind heute einer am häufigsten verwendeten Pestizide.

Fünf Neonikotinoid-Insektizide sind in der EU als Wirkstoffe für den Einsatz in Pestiziden zugelassen, nämlich Clothianidin, Imidacloprid, Thiamethoxam sowie Acetamiprid und Thiacloprid.

In welchen Produkten sind die bienengefährdenden Neonikotinoide enthalten?

Sowohl Gießmittel als auch Sprays oder Stäbchen können Neonikotinoide enthalten. Die meisten Produkte mit dem Namen « Lizetan » und « Calypso » beinhalten den Wirkstoff Thiacloprid aus der Gruppe der Neonikotinoide. Bei « Careo »-Produkten wird oft der Wirkstoff Acetamiprid verwendet, ebenfalls ein Neonikotinoid. Die vollständige Liste (PDF) aller für den Kleingarten zugelassener Produkte mit Neonikotinoiden finden Sie hier.

Sind Neonikotinoide auch gefährlich für Menschen?

Indirekt schon, denn wenn Honigbienen und andere wildlebende bestäubende Insekten geschädigt oder getötet werden, trifft dies jeden von uns: Die Insekten bringen mit ihrer Bestäubungsleistung einen riesigen Nutzen für uns Menschen. Ohne sie müssten wir auf ein Drittel unserer Nahrungsgrundlage verzichten. Die Auswirkungen auf die Gesundheit von Bienen und Mensch durch einen Pestizid-Cocktail in Honig und Pollen sind noch nicht hinreichend untersucht worden – eine gesundheitsschädigende Wirkung auf Menschen kann daher nicht ausgeschlossen werden.

Seit wann sind die Risiken bekannt?

Schon seit zehn Jahren berichten Imker über den plötzlichen Kollaps ihrer Bienenvölker. Eine große Zahl unabhängiger wissenschaftlicher Studien belegen, dass die hohe Neonikotnoid-Belastung in direkter Verbindung mit den hohen Bienensterblichkeitsraten sind.

Die Europäische Kommission schlug im Jahr 2013 vor, die die Verwendung von drei Neonikotinoiden (Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam) auf der Grundlage der europäischen Pestizidgesetzgebung zu verbieten. Durch großen Lobbyaufwand der Agro-Chemie-Industrie gab es schlussendlich in dem zuständigen Ausschuss der Mitgliedstaaten keine Mehrheit für ein komplettes Verbot. Stattdessen wurden nur einige Nutzungseinschränkungen definiert.

 

 

Pressemitteilung der EFSA: https://www.efsa.europa.eu/de/press/news/180228


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